Wer an den beschaulichen oberbayrischen Ort Prien am Chiemsee denkt, dem kommen sofort idyllische Bilder wie aus einem deutschen Heimatfilm in den sinn: die Bergspitzen, die sich im see glitzernd spiegeln, das schloss Herrenchiemsee, Natur pur, ein klassischer Kurort eben. Dass hierher Trend- setter aus den Modemetropolen München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg oder gar Berlin pilgern, um ihre ausgesuchten Kleiderschränke auf den neusten stand zu bringen, kann man sich kaum vorstellen. Doch man wird – wie so oft, wenn der schein trügt – auch hier eines besseren belehrt.

Der sympathische Unternehmer Stefan Knappe hat hier un- weit von München vor 19 Jahren seinen Traum eines eigenen Modegeschäfts mit international bekannten Designern von Plein sud, SLY 010 über Dondup bis hin zu Belstaff und Matchless oder Moschino mehr als erfolgreich erfüllt. er setzt auf das credo «Klasse statt Masse» und möchte seinen Kunden Mode verkaufen, die nicht nur einem trend entspricht, sondern die den Charakter des Menschen unterstreicht und zum Wohlfühlen einlädt. CREDUM hat sich für sie auf den Weg gemacht, um das Konzept von ADAM / EVE persönlich zu erkunden.

Bereits beim einbiegen in die priener Seestraße sticht uns ADAM/EVE direkt ins Auge! Dies liegt nicht nur an dem knall- roten alfa romeo giulietta aus dem Jahr 1976, der vor dem Geschäft parkiert, sondern auch an dem modernen schau- Fensterkonzept, das sich links in die Herren- und zur rech- ten in die Damenmode untergliedert. Das Design wirkt clean, durchdacht und macht neugierig auf mehr. Stefan Knappe hat unsere leuchtenden Augen durch das Schaufenster bereits entdeckt, kommt persönlich aus dem laden (trotz der eisigen Temperaturen im Januar, bei denen man das Haus lieber nicht verlassen möchte), um uns mit einem festen Händedruck zu begrüssen. sofort fällt auf, dass das kein aufgesetztes, antrainiertes Kundenbegrüssungs-lächeln ist, sondern ein herzlich gemeintes «Willkommen!». Das Konzept des Schaufensters ist auch im laden stringent durchgezogen worden: Hier sind zwar viele bekannte Modelabels unter einem Dach vereint, doch trotzdem scheint jedes teil mit Leichtigkeit miteinander kombinierbar zu sein. leider gibt es solche Geschäfte durch den trend der Monolabelstores in den grossen Städten kaum noch, insofern wird einem als modebewusste Frau oder auch Mann direkt bewusst, in was für einem Juwel man sich befindet.

Für Stefan Knappe ist sein Geschäft nicht nur ein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung. Sein Interesse für exklusives Design und hochwertigste Qualität zeichnet sich nicht nur an der ansprechenden Geschäftsausstattung oder der Wahl der Designer ab, sondern auch an seinem ganz eigenen Stil, den man bei genauem Hinsehen im laden wiedererkennt: «ich persönlich setze auf sportliche Eleganz. Lederware gepaart mit flip- pig, modischen Eyecatchern. Natürlich wird bei uns auch der klassische Typ fündig. Egal in welche Richtung es geht, »sich wohlfühlen in seiner Haut« ist am Ende das entscheidende». Das passendste Wort, um den passionierten Inhaber zu beschreiben, ist sicherlich «Authentizität»! Der oberbayrische Dialekt und die unkomplizierte Art lassen darauf schliessen, dass Knappe hier in Prien auch seine Wurzeln hat: «Ja, das stimmt!» sagt er und lacht. «ich komme aus Rosenheim, hier sozusagen direkt um die Ecke, und habe Einzelhandels und Grosshandelskaufmann gelernt. Danach war ich einige Zeit für eine namhafte Sportfirma im Aussendienst tätig, ehe ich meine Leidenschaft für Mode entdeckt habe. Als meine Mutter mir seinerzeit die Möglichkeit gab, den Laden zu übernehmen, habe ich dann natürlich zugegriffen. Was das Verkaufen betrifft: Die Freude am Verkauf und der Umgang mit immer neuen Menschen liegt wohl in unserer Familie und hat sich auch auf mich übertragen. Apropos: Darf ich ihnen ein glas Prosecco oder einen Kaffee anbieten?». Da sagen wir nicht nein und der Chef persönlich kredenzt uns einen perfekt italienischen Cappuccino an der eigenen Bar, die wahrlich zum Verweilen einlädt und insbesondere für die jeweilige Shopping-Begleitung ein Segen ist. Gerade solche persönlichen Momente mit Stefan Knappe machen adam & eve so einzigartig und unter den Kunden so beliebt. Mit dieser Einstellung verwandelte sich schon so manch ein Laufkunde, der seine Ferienwohnung am Chiemsee besuchte zu einem immer wiederkehrenden Stammkunden, dessen Kleiderschrank inzwischen schon viele Schmuckstücke aus dem Laden beherbergt.

Nach der kleinen Stärkung machen wir uns auf Erkundungstour durch den übersichtlich sortierten Laden und würden im Prinzip gerne jedes Teil mit in die Kabine nehmen. Das Credo heisst: die qual der Wahl! eine gut sitzende Jeans des italienischen Labels Dondup oder current elliot, eine feine seiden-Bluse von Plein Sud oder SLY 010, on top noch eine Lederjacke im Bikerstil von Belstaff und schon ist man unangestrengt modisch angezogen. Doch Stefan Knappe setzt mit seiner zielgerichteten, auf den Kunden abgestimmten Beratung noch einen drauf: «Das Outfit ist so schon ziemlich cool, ich habe da noch so eine Idee...». Er marschiert durch den Laden zum Tisch mit den Accessoires, dann rüber zu den Schuhen und macht während der Runde noch einen Abstecher zum derzeit beliebtesten trend: den Ponchos. «So, jetzt schling dir bitte mal den Poncho noch um. Mal sehen, ob dir das gefällt». Mit Skepsis blicke ich auf den poncho mit dem azteken-ähnlichen Muster. Bisher dachte ich immer, dass so etwas nur 1,80 Me- ter grossen Topmodels steht. Stefan Knappe lässt nicht locker: «einfach mal reinschlüpfen. Manchmal muss man mutig sein und probieren. Bei so einem Kleidungsstück ist der Stoff und die gesamte Verarbeitung sehr wichtig, sonst sieht es schnell aus wie eine Wolldecke, die man versehentlich angezogen hat». Also heisst es nur Mut und voilà: es sieht super aus! Entgegen meinen Erwartungen lässt mich der Poncho nicht kleiner wirken und macht das Outfit so wirklich wintertauglich. Stefan Knappe hat mir auch noch waffenscheinpflichtige schwarze Ankleboots und ein extravagantes Cashmere-Tuch von Henry & christ aus Hamburg herausgesucht, die den look komplettieren. Abends kann ich dann beispielsweise einfach einen Blazer statt der Lederjacke und dem Poncho anziehen und schon ist die Verwandlung geschehen! Dass ein Mann eine Frau so gut beim Kauf beraten kann und die Schokola- Denseiten zu betonen weiss, ist schon eine Kunst. Uns interessiert daher besonders, auf welche Faktoren Knappe beim Verkauf achtet: «Der Tragekomfort ist das Wichtigste! Man merkt sofort, ob sich eine Kundin oder ein Kunde in dem Kleidungsstück wohlfühlt oder nicht. Manche Dinge sehen auch am einen klasse aus und beim anderen wirken sie wie Fremdkörper. Ein Mann, der bisher gerne Hemden, V-ausschnitt Pullover mit Leder-Patches und Jeans getragen hat, wird sich nicht plötzlich in einer Destroyed-Jeans, Camouflage-Shirts und Lederjacken zuhause fühlen. Das ist eine Gratwanderung als Verkäufer den richtigen Ton zu treffen und den Kunden eventuell erst langsam an solche Trends heranzuführen. Das kann dann mal ein Gürtel aus Krokodil oder Echse sein oder auch ein paar lässige Boots. Wenn etwas jemandem gar nicht steht, raten wir dem Kunden lieber vom Kauf ab und lenken die Aufmerksamkeit auf ein anderes Modestück. Kaufüberredung findet bei uns nicht statt, die Kundin oder der Kunde sollen auch zuhause noch mit ihrem ergatterten Stück glücklich sein und es gerne tragen. Das ist auch das Geheimnis, warum wir so viele etablierte Stammkunden haben oder sich Menschen für uns entscheiden, deren Budget vielleicht begrenzter ist, die aber lieber zwei oder drei Keypieces von höchster Qualität pro saison kaufen».

Das Geheimnis von adam & eve ist die persönliche Note, die ehrliche fachkundige Beratung, die besondere Auswahl der qualitativ hochwertigen Kleidungsstücke und Mut anders zu sein als viele andere Einzelhändler. So hat auch Stefan Knappe, der mit 21 Jahren als Jungunternehmer angefangen hat, den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt: «Natürlich birgt eine solche Entscheidung immer ein gewisses Risiko. Aber ich denke, dass Entschlossenheit und Feeling für den Zeitgeist das Geheimnis sind. Sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren, in meinem Fall hochwertige Mode zu verbinden mit aussergewöhnlichem Service, ist in meinen Augen wohl eine der letzten Möglichkeiten, noch Erfolg zu erzielen». «Weiter so!», sagen wir vom CREDUM Redaktionsteam und fahren mit einem breiten Lächeln, der ein oder anderen Einkaufstüte und der Gewissheit, dass wir wiederkommen – selbst nur um dem charmanten Unternehmer «Grüss Gott!» zu sagen – in Richtung Heimat.